Assistenz

Assistenz aus der Sicht eines Heilerziehungspflegers

Für mich als Heilerziehungspflegerin oder Heilerziehungspfleger geht es bei Assistenz vor allem um die Unterstützung der Menschen, damit sie selbstbestimmt leben können – so eigenständig wie möglich, trotz ihrer individuellen Bedürfnisse. Assistenz bedeutet nicht, Aufgaben für andere zu erledigen, sondern gemeinsam mit ihnen Wege zu finden, wie sie ihr Leben gestalten können. Es geht um Würde, Respekt und die Chance, Teilhabe am normalen Alltag zu erleben.

Zu Beginn kläre ich mit der Klientin oder dem Klienten, was für sie oder ihn wichtig ist: Welche Ziele gibt es? Welche Fähigkeiten möchten sie stärken? Welche Hilfen sind sinnvoll, um diese Ziele zu erreichen? Dabei beachte ich die Werte, Vorlieben und Grenzen der Person. Eine gute Assistenz lässt Raum für Selbstbestimmung: Die Person entscheidet, welche Unterstützung sie möchte, zu welchem Zeitpunkt und in welchem Umfang.

Im praktischen Alltag bedeutet Assistenz für mich oft verschiedene Aufgabenkomplexe. Dazu gehören Alltagsgestaltung wie Haushaltsführung, Kochen, Einkaufen und Körperpflege – nicht als schlecht formulierter „Pflegeauftrag“, sondern als Hilfe zur selbstständigen Lebensführung. Wichtig ist hierbei, das Lernen von Fähigkeiten zu fördern statt nur abzuwickeln. Wenn z. B. eine Person Schwierigkeiten beim Einkaufen hat, suche ich gemeinsam mit ihr nach Strategien: eine übersichtliche Einkaufsliste, Budgetplanung, Alternativen bei Einschränkungen, Barrierefreiheit beim Geschäft, Nutzung von Unterstützungs- oder Fördersystemen wie Gebärden oder unterstützter Kommunikation.

Bildung und Arbeit sind weitere zentrale Felder der Assistenz. Viele meiner Klientinnen und Klienten streben Bildung, eine berufliche Orientierung oder eine Teilhabe am Arbeitsleben an. Hier unterstütze ich beim Lernprozess, übe Kommunikationsstrategien, helfe beim Aufbau sozialer Kompetenzen und erleichtere den Zugang zu passenden Lern- oder Arbeitsangeboten. Dabei bleibe ich im Hintergrund: Die Person steuert den Lern- oder Arbeitsprozess, ich modelliere, erkläre, ermutige und greife ein, wenn es nötig ist – immer mit dem Ziel, Selbstständigkeit zu stärken.

Auch in sozialen Bereichen spielt Assistenz eine große Rolle. Freundschaften, Gruppenaktivitäten und gesellschaftliche Teilhabe sind wichtige Lebensbereiche. Ich suche gemeinsam mit der Klientin oder dem Klienten nach Möglichkeiten, Kontakte zu knüpfen, Kommunikationsmittel sinnvoll einzusetzen und Barrieren – sei es Kommunikationsbarrieren, räumliche Barrieren oder Vorurteile – abzubauen. Empathie, Geduld und eine klare, respektvolle Sprache helfen dabei, Vertrauen aufzubauen.

Gesundheit und Sicherheit sind ebenfalls Teil der Assistenz. Die Beobachtung von Veränderungen, klare Absprachen mit Ärztinnen, Ärzten und Therapeutinnen sowie das rechtzeitige Informieren der Bezugspersonen gehören dazu. Es geht darum, Risiken zu minimieren, ohne die Autonomie der Person zu untergraben.

Schlussendlich ist Assistenz eine professionelle Haltung: Wir arbeiten als Team – mit der Klientin oder dem Klienten, mit Familienangehörigen, mit anderen Fachkräften. Transparente Dokumentation, klare Ziele, regelmäßige Reflexion und Flexibilität sind essenziell. Ziel ist immer, Teilhabe zu ermöglichen, Lebensqualität zu erhöhen und das Selbstbestimmungsrecht jeder Person zu respektieren.