Hallo wir sind : Anna, Doreen, Alexandra und Theresa und möchten euch etwas über unser Projekt erzählen:
Vier Fachschülerinnen, ein Projekt – und ganz viele neue Blickwinkel.
Im Rahmen unseres Mittelkurses an der Fachschule Altenhohenau für Heilerziehungspflege haben
wir – vier motivierte Fachschülerinnen – beschlossen, uns einem Thema zu widmen, das im Alltag oft übersehen wird, obwohl man buchstäblich ständig darüber stolpern kann: Barrieren.
Unser Projekt trägt den etwas längeren, aber durchaus treffenden Titel „Barrieren für jeden sichtbar machen, Normalität gemeinsam gestalten und mit Fotos ganz nebenbei neue Freundschaften knipsen“.
Zugegeben – ein Titel, der fast so viel Platz braucht wie ein nicht
abgesenkter Bordstein. Aber genau darum geht es ja.
Unser Ziel war es, Bewohnerinnen verschiedener Einrichtungen zusammenzubringen – raus aus der eigenen „Bubble“ und rein ins echte Leben.
Denn während es für viele Menschen ganz normal ist, neue Kontakte zu knüpfen, passiert das im Alltag von Menschen mit Beeinträchtigungen oft viel zu selten. Dabei entstehen die besten Begegnungen bekanntlich genau dann, wenn man sie nicht plant – oder zumindest nicht komplett. Also ging es für uns nach Rosenheim. Drei unserer Teilnehmerinnen leben dort, ein weiterer ist regelmäßig vor Ort unterwegs.
Perfekte Voraussetzungen also, um die Stadt einmal aus einer
etwas anderen Perspektive zu betrachten: nicht als Einkaufsparadies oder Ausflugsziel, sondern
als Parcours mit ganz eigenen Herausforderungen.
Ein Thema, das uns dabei besonders begleitet hat, war der Max-Joseph-Platz mit seinem Kopfsteinpflaster. Für die einen charmant und historisch, für die anderen eher… sagen wir:
eine kostenlose Ganzkörper-Vibrationsplatte.
Gerade für Menschen im Rollstuhl oder mit Rollator kann
so ein Untergrund schnell zur echten Herausforderung werden.
Und genau hier wurde uns klar:
Barrieren sind nichts Einheitliches. Sie sind so individuell wie die
Menschen selbst.
Eine Bordsteinkante ist für manche kaum der Rede wert – für andere hingegen ein echtes Hindernis.
Was für die einen „kein Problem“ ist, kann für andere den ganzen Tagesplan durcheinanderbringen.
Besonders eindrücklich war die Geschichte einer Bewohnerin, die früher regelmäßig zu einem günstigen Friseur ging.
Praktisch, bezahlbar, vertraut. Heute kommt sie mit dem Rollstuhl nicht mehr hinein. Zack – aus einem ganz normalen Friseurbesuch wird plötzlich ein organisatorisches Großprojekt.
Und nein, Haare schneiden sollte eigentlich kein Abenteuer sein.
Auf der anderen Seite gab es auch diese kleinen, schönen Momente, die uns alle zum Schmunzeln gebracht haben.
Eine Teilnehmerin entdeckte eine Jeansjacke vor einem Geschäft –
und war so begeistert, dass sie kurzerhand ihren Rollator stehen ließ und einfach losging.
Zielstrebig, entschlossen und mit einem klaren Gedanken: „Die ist es.“ Am Ende fehlte zwar das nötige Kleingeld, aber der Moment war trotzdem unbezahlbar.
Diese Erlebnisse zeigen ganz deutlich: Wünsche, Bedürfnisse und Freude unterscheiden sich nicht.
Ob mit oder ohne Beeinträchtigung – wir alle möchten raus, Menschen treffen, gut essen, schöne Dinge kaufen und einfach am Leben teilhaben.
Und genau hier hören Barrieren eben nicht bei Bordsteinen auf. Auch Blicke, Unsicherheiten oder fehlende Hilfsbereitschaft können Grenzen setzen.
Manchmal subtil, manchmal deutlich – aber immer spürbar.
Schön zu beobachten war, wie sich die Bewohnerinnen aufeinander einstellen konnten. Natürlich nicht ganz ohne unsere Unterstützung – wir waren gewissermaßen im Hintergrund mit dabei – aber einiges entwickelte sich von selbst. Vorurteile waren dabei nicht zu spüren. Stattdessen begegneten sich die Teilnehmerinnen offen
und auf ihre ganz eigene Weise: mit Worten, Gesten oder einfach durch gemeinsames Erleben.
Nicht immer perfekt, aber dafür echt – und genau das hat diesen Teil des Projekts so besonders gemacht.
Da es in unserem Projekt ja auch ums „Freundschaften knipsen“ ging, durften die Bewohner*innen natürlich selbst zur Kamera greifen.
Und zwar ganz selbstbestimmt: Wer möchte wen fotografieren? Welche Momente sollen festgehalten werden? Die Antworten darauf kamen schnell – und vor allem mit viel Begeisterung.
Besonders eine Bewohnerin entdeckte dabei ihre Freude am Fotografieren und war kaum zu bremsen.
Schnell wurde deutlich: Mit den passenden Hilfsmitteln und einem offenen Umgang spielt eine Beeinträchtigung in solchen Momenten kaum noch eine Rolle – im Vordergrund stehen
Neugier, Kreativität und einfach der Spaß am Tun.
Unterstützt wurden wir dabei von Theresas Ehemann, der an diesem Tag als Fotograf dabei war.
Er war nicht nur „der Mann mit der Kamera“, sondern schnell ein Teil der Gruppe, wurde offen aufgenommen und sorgte mit seiner ruhigen Art für viele gelungene Momentaufnahmen – sowohl
auf Fotos als auch im Miteinander.
Auch unsere Lehrerin Frau Heidlinger begleitete das Projekt und war mit eingebunden. So entstand insgesamt eine schöne Runde, in der sich alle auf Augenhöhe begegnen konnten – mit
viel Lachen, gegenseitigem Interesse und der ein oder anderen spontanen Fotoideen.
Weil jeder gute Ausflug nicht nur von Bordsteinen, sondern auch von Pausen lebt, standen wir irgendwann vor der wichtigen Frage: Wo können wir eigentlich gemeinsam essen gehen – und
zwar so, dass wirklich alle mitkommen?
Die gute Nachricht: Wir hatten an diesem Tag eindeutig Glück. Wir fanden ein Restaurant, das „Valentino“, in dem wir nicht nur „irgendwie unterkamen“, sondern herzlich willkommen geheißen
wurden.
Es wurde nicht lange überlegt, sondern kurzerhand Platz geschaffen – auch für Rollstühle, auch für unterschiedliche Bedürfnisse. So, wie es eigentlich immer sein sollte.
Besonders schön war dabei, dass es keinen spürbaren Unterschied im Umgang gab. Ob mit oder ohne Beeinträchtigung – wir wurden alle gleich behandelt. Kein besonderes Hervorheben, kein
Unsicherheitsgefühl, sondern einfach ein ganz normaler, angenehmer Restaurantbesuch.
Und genau das ist ja eigentlich das Ziel: Normalität, die sich nicht erklären muss.
Dieses Erlebnis war für uns ein echtes positives Beispiel dafür, wie Inklusion im Alltag aussehen kann – unkompliziert, respektvoll und selbstverständlich.
Und ganz ehrlich: Es hat den Tag nicht nur organisatorisch gerettet, sondern auch menschlich definitiv bereichert.
Unser Projekt sollte nicht nur Barrieren sichtbar machen, sondern auch zum Nachdenken anregen.
Denn jeder Mensch kann – plötzlich oder schleichend – selbst von einer Beeinträchtigung betroffen sein.
Umso wichtiger ist es, dass unsere Gesellschaft so gestaltet ist,
dass alle daran teilhaben können.
Oder anders gesagt: Es geht nicht darum, Menschen in Systeme zu pressen, sondern Systeme so zu gestalten, dass sie für Menschen funktionieren.
Und vielleicht auch darum, beim nächsten Spaziergang durch die Stadt nicht nur auf den Weg zu
schauen – sondern einmal bewusst darüber nachzudenken, wie sich dieser Weg für jemand anderen anfühlen könnte.

(Das Projektteam zusammen mit der zuständigen Lehrkraft)


