Magst du dich einmal vorstellen?
Mein Name ist Verena, ich bin 20 Jahre alt und befinde mich aktuell im 2. Lehrjahr in der Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin. Die Ausbildung verläuft dual mit schulischen Anteilen und Anteilen in einer Praxisstelle. Meine Praxisstelle ist auf einer Wohngruppe, in der ich Menschen mit Beeinträchtigung betreue.
Wie lange arbeitest du schon in der Behindertenhilfe?
Ich bin in dem Beruf seit drei Jahren tätig.
Hast du zuvor schon mal was anderes gearbeitet oder gelernt?
Nein, gleich nach der Realschule habe ich angefangen in einer Einrichtung für Menschen mit Beeinträchtigungen zu arbeiten. Zu dem Zeitpunkt war ich noch minderjährig und, als nicht volljährige Person ist es schwierig in der Behindertenhilfe tätig zu sein, weil man einfach viel Verantwortung übernehmen muss.
Daher war ich zwei Jahre als Praktikantin angestellt. Das kann man vergleichen mit einem Bundesfreiwilligendienst. Während diesem Praktikum habe ich in verschiedenen Lebensbereichen gearbeitet, also auf einer Wohngruppe, in einer Werkstatt für Menschen mit Beeinträchtigung, und auf einer Förderschule. Als ich dann volljährig wurde konnte ich die Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin anfangen.
Mit diesem Link geht es zur Caritas Seite, um die Job Vorrausetzung zur/zum Heilerziehungspflerger:in zu erfahren:
https://job.caritas-nah-am-naechsten.de/ausbildung-zum-heilerziehungspfleger
Gab es irgendein Ereignis, das dich auf den Beruf aufmerksam gemacht hat?
Ich habe schon immer gewusst, dass ich gerne im sozialen Bereich tätig werden möchte. Zuerst wollte ich Krankenpflegerin lernen. Dann habe ich ein nicht sehr tolles, einwöchiges Praktikum in einem Krankenhaus absolviert, das hat mir überhaupt nicht Spaß gemacht. Durch Bekannte wurde ich dann auf eine Einrichtung für Menschen mit Beeinträchtigung aufmerksam. Dort absolvierte ich dann ein einwöchiges Praktikum, das hat mir großen Spaß bereitet und ich wusste sofort, das ist der Beruf, den ich lernen möchte.
Gibt es was, was für dich den Beruf besonders interessant macht?
Die zwischenmenschlichen Beziehungen, die ich mit den Menschen, die ich betreue, knüpfe. Die Wertschätzung, die ich von ihnen zurückbekomme, wenn ich ihnen in ihrem Alltag zur Seite stehe, sie unterstütze und auch dazu ermutige selbstständig zu handeln. Es macht mir auch unheimlich Spaß, Ziele mit den Menschen, die ich betreue, zu erarbeiten und kleine Lernfortschritte zu beobachten. Die Freizeitaktivitäten, die ich zusammen mit den Menschen, die ich betreue mache, z.B.: zusammen Schwimmen gehen, Cafébesuche, oder auch gemeinsam in den Urlaub fahren, sind schöne Arbeitserlebnisse.
War es für dich die richtige Entscheidung, die Ausbildung zu machen?
Ja, auf alle Fälle.
Die pädagogischen, medizinischen und pflegerischen Inhalte, die ich in meiner Ausbildung lerne, helfen mir einen kompetenten Umgang mit den Menschen, die ich betreue zu pflegen. Durch diese Inhalte kann ich bestimmte Verhaltensweisen oder Krisenmomente, der Menschen, die ich betreue, besser einschätzen und ihnen kompetente Unterstützung bieten. Aber auch in anderen Alltagsmomenten und außerhalb des Arbeitskontextes kann ich aufgrund meiner Ausbildung gewisse Verhaltensweisen von meinen Mitmenschen besser einschätzen und verstehen.
Wie kann man sich den Ablauf der Ausbildung ungefähr vorstellen?
In meinem Fall, habe ich nach der Realschule zwei Jahre als Praktikantin gearbeitet, da ich zu diesem Zeitpunkt, wie bereits erwähnt, noch minderjährig war. Nachdem ich dann zwei Jahre Berufserfahrung im sozialen Bereich gesammelt habe, was als Voraussetzung für die Ausbildung gilt, konnte ich sobald ich volljährig wurde mit der Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin beginnen.
Die Ausbildung zum/zur Heilerziehungspfleger:in dauert drei Jahre. Nach einem Jahr kann man allerdings auch die Prüfung zur/zum Heilerziehungpflegehelfer:in ablegen.
Wie viel verdient man während der Ausbildung zur/zum Heilerziehungspfleger: in?
Da kann ich jetzt auch nur von meinem Fall berichten. Insgesamt umfasst die Ausbildung 41 Wochenstunden, davon sind 16 Wochenstunden Schulzeit, für diese werde ich nicht entlohnt.
Ich werde also für die 25 Wochenstunden bezahlt, die ich auf der Wohngruppe arbeite.
Durch den Schichtdienst, bekomme ich Schicht- und Feiertagszuschläge, daher kann ich mich über mein Gehalt nicht beschweren, gerade, wenn man das Gehalt mit anderen Ausbildungen vergleicht.
Was erwartet einen im schulischen Alltag der Ausbildung?
Ich gehe an zwei Tagen in der Woche in die Schule. Dort haben wir verschiedene Unterrichtsfächer. Die Fächer haben teilweise pädagogische Inhalte, medizinische Inhalte, psychiatrische Inhalte oder pflegerische Inhalte es sind auch praktische Fächer vertreten, in denen wir Schüler: innen zum Beispiel sportliche Angebote ausarbeiten, die wir dann mit den Menschen, die wir betreuen umsetzen könnten. Außerdem bereiten wir Schüler: innen auch sogenannte Praxisbesuche vor, bei diesen besuchen uns Lehrkräfe an unseren Praxisstellen. Dafür bereiten wir Schüler: innen dann gemeinsam mit den Menschen, die wir betreuen verschiedene Angebote vor, die wir dann unseren Lehrkräften präsentieren und auf die wir benotet werden. Im 2. Lehrjahr bereiten wir auch ein Projekt vor, das in unserem Fall der Blog ist und unter den Themenbereich Öffentlichkeitsarbeit fällt.
Sind die in der Schule vermittelten Themen relevant für den Arbeitsalltag?
Auf alle Fälle, das theoretische Hintergrundwissen und auch die praktischen Erfahrungen, erleichtern mir meinen Arbeitsalltag.
Welche Fächer findest du am interessantesten und warum?
Ich finde Pädagogik, Heilpädagogik und Psychologie sehr interessant, um mir mit dem pädagogischen Hintergrundwissen Verhaltensweisen der Menschen, die ich betreue, erklären zu können. Und dann angemessen agieren zu können und auch beispielsweise Beziehungsgestaltung in einem professionellen Rahmen ausführen zu können.
Ich finde aber auch pflegerische Maßnahmen sehr wichtig, um die Pflege im Arbeitsalltag richtig und angemessen ausführen zu können. Psychiatrie und Medizin sind auch sehr wichtig, weil man einfach ein Grundverständnis vom menschlichen Körper haben muss, um eventuell Krankheitsbilder zu erkennen und dann dementsprechend entgegenwirken zu können oder dementsprechend Wege einzuleiten, wie zum Beispiel Arztfahrten etc.
Und auch Psychiatrie ist sehr wichtig, weil man so die psychiatrischen Diagnosen, die die betreuten Menschen teilweise haben, verstehen zu können und sie dann professionell begleiten zu können.
Hat sich durch deine Ausbildung etwas in deinem Privat oder Arbeitsleben verändert?
Ja.
Die Ausbildung ist sehr zeitintensiv. Ich habe im Gegensatz zu vorher weniger Freizeit. Dafür lerne ich viel.
Und ich habe einfach eine viel bessere Basis und Hintergrundwissen, um den Menschen, die ich betreue bestmöglich zur Seite zu stehen.
Welchen Tipp würdest du Menschen geben, die gerade in der Heilerziehungspflege-Ausbildung sind oder damit beginnen wollen?
An die Menschen, die mit der Ausbildung beginnen oder beginnen wollen:
Es wird anstrengend werden. Aber ihr schafft es und behaltet euch immer das Ziel vor Augen, warum ihr mit der Ausbildung anfangen wollt, nämlich um Menschen zu unterstützen, ihnen vielleicht Freude in ihr Leben zu bringen und ihnen Teilhabe zu ermöglichen.
An die Menschen die sich in der Ausbildung befinden:
Durchhalten Leute, wir schaffen das!
Hast du schon eine Idee, was du nach der Ausbildung machen möchtest?
Also ich kann mir gut vorstellen, dass ich nach der Ausbildung noch studiere.
Ich hab mit dem Abschluss der Ausbildung einen Hochschulabschluss (Bachelor Professional in Sozialwesen). Damit kann ich mich an bestimmten Universitäten bewerben. Zum Beispiel zu einem Studium der sozialen Arbeit oder Heilpädagogik.
Das könnte ich mir durchaus vorstellen, dass ich mich dann in einem bestimmten Themenbereich weiter fortbilde und dann möglicherweise sogar in den Fachdienst übergehe, wo ich dann einfach einzelne Menschen in gezielten Förderprogrammen besser unterstützen kann.
Was sind für dich die schönen Momente im Alltag eines/einer Heilerziehungspfleger:in?
In meiner Praxisstelle:
Sind es auf jeden Fall die Freizeitaktivitäten, wie zum Beispiel einen Ausflug ins Kino zu machen, aber natürlich auch die kleinen Alltagsmomente, wie zum Beispiel gemeinsam zu lachen.
In der Schule:
Sind es meine Mitschüler:innen, ich konnte schöne Freundschaften knüpfen. Wir unterstützen uns gegenseitig, sei es mit Lernzettel auszuhelfen oder uns einfach nur zuzuhören. Ab und zu machen wir auch in unserer Freizeit was miteinander, wir gehen zum Beispiel zum klettern oder setzen uns nach der Schule in einer Bar zusammen. Der gemeinsame Austausch ist wichtig und motiviert einen persönlich wieder.
Ist der Berufsalltag mit viel Stress verbunden und wenn ja, wie gehst du damit um?
Ja, der Berufsalltag kann sehr stressig sein, da die meisten von uns Schüler:innen im Schichtdienst arbeiten und wir deshalb meistens einen unregelmäßigen Schlafrhythmus haben. Dann kommen die Schultage noch dazu. Da kann es passieren, dass wir mal 10-12 Tage durcharbeiten, das kann schon kräftezerrend sein. Deshalb ist es wichtig, dass wir die Arbeit in der Arbeit lassen und sie nicht mit in unser Privatleben nehmen. Ich schaffe das am Besten durch Sportliche Aktivitäten oder Musik.
Machst du mit den Bewohnern viele Ausflüge oder spielt sich der Alltag hauptsächlich auf der Gruppe ab?
Beides.
Ich bin als Alltagsbegleitung da, das bedeutet, das ich nicht nur hauswirtschaftliche Tätigkeiten übernehme oder die betreuten Menschen zum Arzt begleite, sondern auch gemeinsam mit ihnen ihre Freizeit gestalte, dazu gehören natürlich auch Ausflüge. Außerdem ist es eine gute Gelegenheit, um Teilhabe zu schaffen und Barrieren zu überwinden.
Hast du in der Arbeit Zeit und Raum, um neue Sachen, die du in der Schule gelernt hast, auszuprobieren?
Teilweise ja. Das ist immer tagesabhängig, ob zum Beispiel Arzt-/Einkaufsfahrten anstehen und, wie auch die Stimmung der Menschen, die ich betreue ist. Wenn alle entspannt und guter Laune sind lassen sich schulische Angebote gut durchführen. An anderen Tagen brauchen manche vielleicht mehr seelische Unterstützung, da sind dann schulische Angebote zweitrangig.
Fazit
In der Behindertenhilfe sind alle Menschen willkommen, die einen respektvollen Umgang mit ihren Mitmenschen auf Augenhöhe pflegen und empathisch und herzlich aufeinander zugehen.



